Olaf Unverzart – ALP

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ALP – „Alpine Landscape Pictures“ nennt Olaf Unverzart seinen Band mit atemberaubenden Fotografien der Alpen. Er zeigt die zeitlose Erhabenheit der alpinen Gipfel genauso wie die von Menschen verursachten Eingriffe und Zerstörungen in die Landschaft in einzigartigen Aufnahmen. Uns hat er erzählt, wie sein Buch entstand, warum er mit einer analogen Großbildkamera arbeitet – und was man in den Bergen unbedingt dabei haben muss …

Die Fotografien für „Alp“ sind über einen Zeitraum von 12 Jahren entstanden. War von vornherein klar, dass Sie für ein Buchprojekt fotografieren, oder entstand die Idee erst im Laufe der Jahre?

Olaf Unverzart: Normalerweise arbeite ich seriell über einen längeren Zeitraum an Themen und Projekten. In welcher Weise diese veröffentlicht werden kristallisiert sich erst im Laufe des Arbeitsprozesses raus. Grundsätzlich sehe ich im Fotobuch die für mich und meine Arbeit passendste Plattform. Da es aber unterschiedliche Interessen und Regeln im Kunstbetrieb gibt, spielen Ausstellungen eine ebenso große Rolle.

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Gedruckt wurde Ihr Buch in Grude in Bosnien, von der Druckerei DZS. Sie sind im August dorthin gereist, um beim Druckprozess von „Alp“ mit dabei zu sein. Worauf kommt es Ihnen an, worauf achten Sie besonders, wenn Sie die ersten Druckbögen sehen?

Die Druckabnahme persönlich zu machen halte ich für einen wichtigen und notwendigen Schritt im Entstehungsprozess des Buches. ALP ist mein sechstes Buch und bei jedem stand ich an der Druckmaschine und habe mit dem Drucker zusammen die Ergebnisse begutachtet und, wenn nötig, verändert.

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Ich achte dabei darauf, dass mir das gedruckte Ergebnis gefällt. Was bedeutet, dass es so aussieht wie ich es in der Realität gesehen habe, wie ich es dann gescannt habe und wie es dann normalerweise auch auf dem Proof aussieht. Diese Kette sollte möglichst deckungsgleich sein.

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Sie arbeiten mit einer großen, schweren Plattenkamera. Können Sie etwas über die Kamera erzählen – wie alt ist sie, wie funktioniert sie und was macht diese Kamera aus, das Sie sie moderneren, leichteren Geräten vorziehen?

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Ich arbeite mit einer Sinar Plattenkamera. Meine ist ca 15 Jahre alt. Diese wird aber so ähnlich auch noch hergestellt.
Leichter und moderner würde ich bevorzugen, aber es muss aus Gründen der Arbeitsweise und der technischen Qualität eine Plattenkamera sein. Auf Film zu fotografieren wird in Zukunft immer teurer und schwerer zu verarbeiten. Bei diesem Projekt war es eine wichtige Komponente, auch weil meine Arbeitsweise, Entschleunigung und Konzentration stark damit zusammenhängt, dass ich wenige Belichtungen mache und das Ganze nicht vor Ort begutachtet oder gar bearbeitet wird.

Man merkt Ihren Fotografien einen großen Respekt vor der Natur, auch vor den Naturgewalten an. Ergibt sich das mehr oder weniger von selbst, wenn man so viel in den Bergen unterwegs ist, oder gab es ein bestimmtes Erlebnis, auf das diese Haltung zurückgeht?

Respekt vor der Natur ist ein Charakterzug. Das hat nichts mit den Bergen zu tun. Auch im Wald oder auf einer Blumenwiese zolle ich der Natur Respekt, weil ich weiß, woher ich komme und dass der einzelne Mensch darin lediglich eine überschätzte Rolle spielt.

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Sie fotografieren eher ungewöhnliche Motive wie Lawinenverbauungen, Hangsicherungen und Passstraßen, aber auch das Matterhorn oder die Eigernordwand, also Motive, die schon tausende Male fotografiert worden sind. Wie nähert man sich solchen Motiven – kann man sich frei machen von den vielen Bildern, die man davon schon gesehen hat?  

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Frei machen von Bildern kann ich mich nicht. Aber das ist nicht der Punkt, dass es andere Bilder und auch einige gute andere gibt.
Für mich ist immer das eigenen Machen wichtiger als das Endergebnis. Im Falle der Nordwände gab es für mich keine anderen Bilder, die mir in Erinnerung blieben, also bin ich losgezogen und hab sie selber gemacht. Im Falle der Bergungen war ich von Anfang an interessiert an den Konstruktionen, die der Mensch sich einfallen lässt um die Natur zu besänftigen.

Welche Ausrüstung haben Sie dabei, wenn Sie zum Fotografieren in die Berge aufbrechen?

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Ziemlich genau diese … gute Schuhe sind wichtig! Karte und Fernglas auch.

unverzart_cover_neu    Zum Buch auf prestel.de

Buchpräsentation und Ausstellung: Wer die Fotografien von Olaf Unverzart gerne im Original sehen möchte, kann sie ab dem 16. Oktober in der Galerie Kleindienst in Leipzig erleben. Am 16. Oktober findet dort eine Buchpräsentation statt.

  • Veröffentlicht in: Kunst

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